Ich forderte von meinem Mann oft ein, sich selbst gegenüber Verantwortung zu übernehmen — für seine eigene Gesundheit, seine eigenen Grenzen, seine eigene Ruhe. Erst später bemerkte ich, wie selbstverständlich ich genau das von mir selbst nie verlangt hatte.
Verantwortung nach außen fällt leicht zu erkennen: Termine, Zusagen, Erwartungen anderer. Verantwortung sich selbst gegenüber bleibt oft unbenannt, weil niemand sie einfordert — am wenigsten man selbst. Sie zeigt sich erst als Unruhe, wenn man sie über Jahre verschoben hat.
Was ich von einem anderen Menschen leicht verlangen konnte, mir selbst zuzugestehen, fiel mir ungleich schwerer. Verantwortlich zu sein für sich selbst heißt nicht, sich ständig zu verbessern. Es heißt, dem eigenen Leben nicht auszuweichen — auch dort nicht, wo es unbequem wird.
Wem ich es eigentlich schuldig bin, ehrlich zu mir zu sein, wusste ich lange nicht.
Wem gegenüber empfinden Sie sich als verantwortlich, wenn Sie ganz allein sind?
